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GC | ||||
![]() Am Anfang steht immer die Idee eines Einzelnen. In diesem Fall war es Christian Lorenz, Religionslehrer an der Biolandwirt-schaftsschule in Schlägl / Oberösterreich, der sich ein Labyrinth im Areal des Stiftes Schlägl wünschte. Die Schule ist Teil des Prämonstratenserklosters im nördlichen Mühlviertel. Auf der anderen Straßenseite der Schule befindet sich der alte Stiftergarten, der in den letzten Jahren mit einigen Besonderheiten, verschiedenen Bepflanzungen und einem großen Brunnen versehen wurde. Hier sollte nun auch ein Labyrinth gebaut werden. Im Rahmen der 72 Stundenaktion initiiert von Ö3 und Caritas arbeiten Jugendliche in ganz Österreich freiwillig an verschiedensten Projekten. Mit dieser Aktion sollte es möglich sein ein Labyrinth zu realisieren. Im Vorfeld suchte Christian Lorenz Platten aus, die vom Raiffeisen Warenverband gesponsert wurden, und lud Gernot Candolini als Projektbegleiter ein, ansonsten war noch alles offen. Nach einer Einführung ins Thema stand die Wahl des Designs des Labyrinthes an. Die 25 Burschen entschieden sich für das Muster aus dem Kölner Dom, das mit einem Durchmesser von 16 Metern verlegt werden sollte. Dabei reizte sie nicht nur die achteckige Form, sondern auch die Einzigartigkeit, denn dieses Labyrinth wurde noch nie in dieser Größe im Freien verlegt. Obwohl die Landwirtschaftsschule mit einem guten Fuhrpark ausgestattet ist, stellte sich heraus, dass der Bagger der Schule etwas zu klein geraten war, um auf der vorgesehenen Fläche rasch einen 40 cm tiefen Frostkoffer auszuheben. Zufällig arbeitete ein großer Bagger in der Nähe, dessen Fahrer nach einigen Überredungskünsten aushalf. Wirklich hektisch wurde allerdings die Suche nach einem Schotter für den Unterbau. Alle Unternehmen in der näheren Umgebung hatten ihren Fuhrpark für diesen Tag längst verplant. Und wenn Sebastian den Betriebsleitern auf die Frage, wann wir den Schotter bräuchten, antwortete: „Ja so in zwei bis drei Stunden“, dann erntete er meist als erstes belustigte Ablehnung. Aber die 72 Stundenaktion gepaart mit dem Ehrgeiz der Jugendlichen entwickelt oft eine faszinierende Dynamik und drei Schotterunternehmen lieferten abwechselnd am selben Nachmittag 50 m³ Schotter und dazu die Kiesauflage. Auch ein großer Rüttler wurde noch rasch organisiert und von der Feuerwehr die Scheinwerfer ausgeliehen damit bis in die späten Nachtstunden des ersten Tages hinein der Unterbau fertig gestellt werden konnte. Am nächsten Morgen wurde über Ö3 ein Steinverleger gesucht, der die Jugendlichen bei den ersten Handgriffen anleiten sollte, da ja noch keiner von ihnen Platten verlegt hatte. Am späten Vormittag wurden die ersten Wetten abgegeben, wann wir fertig werden würden. Ich war noch etwas skeptisch, denn es war erst weniger als ein Drittel verlegt, doch die Jungs wurden immer schneller und wussten welche Handgriffe gebraucht werden. Langsam wurden einige der Eifrigsten zu nahezu professionellen Steinlegern. Andere bereiteten einen Prospekt vor, verständigten die Presse und sammelten Ideen zur Gestaltung der Eröffnungsfeier. Das Mittagessen wurde ausgelassen und um 13:50 wurde der letzte Stein mit großem Hurra verlegt und Christian Lorenz gebeten den Zug der Erstbegeher anzuführen. Eines der schönsten Labyrinthe Österreichs ist in diesen zwei bemerkenswerten Tagen entstanden, die große offizielle Eröffnung wird Ende April sein. Wann immer jemand in diese Gegend kommen sollte, ist Sift Schlägl mit seinem neuen Labyrinth im Stiftergarten einen Besuch wert. 29.10.2008 (14) e | ||||
GC | ||||
![]() In Form des Labyrinths von Chartres wurden im Campo de Marte Park in Lima über 20.000 weiße Steine aufgelegt. "Weinendes Auge" heißt das Monument, das sinnbildlich für den peruanischen Versöhnungsprozess steht und auf kleinen Steinen die Namen der Opfer der Gewaltperiode zwischen 1980 und 2000 verewigt. 70.000 Menschen sind nach den Erkenntnissen der Wahrheitskommission ums Leben gekommen, ermordet worden oder verschwunden - eine Zahl doppelt so hoch, als zuvor angenommen. Die Arbeit der Kommission, die von 2002 bis 2003 gearbeitet und Informationen zusammen getragen hat, ist nicht überall beliebt. Nach der Aufdeckung eines Massakers von Militärs an Gefangenen und der Eintragung ihrer Namen im Monument, hat der Bürgermeister des Ortsteils von Lima das Monument schließen lassen - man könne nicht zulassen, dass die Namen von Terroristen neben den Opfern erscheinen. Bis heute ist das Monument der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Der Streit um die Frage, wer nun Opfer ist und wer nicht, zeigt wie hochsensibel das ganze Thema ist. Noch heute ist der Einfluss des Militärs groß und viele möchten die Ereignisse lieber ganz vergessen machen. Aber gerade auch ein abgesperrtes Labyrinth als Ort der Erinnerung ist ein starkes Zeichen für die Stadt und die Welt. 8.10.2008 (13) e | ||||
Gernot Candolini | ||||
![]() Mitte September wurde in Gerasdorf bei Wiener Neustadt, im einzigen Jugendgefängnis Österreichs, ein Labyrinthplatz eröffnet. Acht Jugendliche Straftäter hatten ein kretisches Labyrinth unter Anleitung des Gefängnisseelsorgers Bernhard Haschka gebaut. Die Wege wurden ausgestochen und der Rasen auf die Grenze gelegt. Die Wege wurden mit rot und gelb gefärbten Hackschnitzel aufgefüllt. Die 120 Jugendlichen in Gerasdorf sind zwischen 15 und 28 Jahre alt und allesamt „schwere Jungs“. Die Betreuer zeigten sich überrascht über die bislang bemerkte positive Wirkung. Eine der wichtigsten Dinge ist es für Bernhard Haschka, dass das Labyrinth den Menschen hier an diesem Ort, die sich im Umgang mit der Sprache und der Selbstreflexion oft schwer tun, ein Bild der Ermutigung zu geben, dass es einen Weg gibt und auch wenn er schwierig ist, man es immer wieder versuchen muss. Deshalb wurde beim Labyrinth auch eine Tafel aufgestellt, wo groß zu lesen ist: Jeder Schritt ist ein Sieg. Das Labyrinth von Gerasdorf ist logischerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, ebenso wenig wie das Labyrinth von Lima, aber das ist eine andere Geschichte. 7.10.2008 (12) e | ||||

