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Labyrinth-Geschichten

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GC
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In Form des Labyrinths von Chartres wurden im Campo de Marte Park in Lima über 20.000 weiße Steine aufgelegt. "Weinendes Auge" heißt das Monument, das sinnbildlich für den peruanischen Versöhnungsprozess steht und auf kleinen Steinen die Namen der Opfer der Gewaltperiode zwischen 1980 und 2000 verewigt. 70.000 Menschen sind nach den Erkenntnissen der Wahrheitskommission ums Leben gekommen, ermordet worden oder verschwunden - eine Zahl doppelt so hoch, als zuvor angenommen. Die Arbeit der Kommission, die von 2002 bis 2003 gearbeitet und Informationen zusammen getragen hat, ist nicht überall beliebt. Nach der Aufdeckung eines Massakers von Militärs an Gefangenen und der Eintragung ihrer Namen im Monument, hat der Bürgermeister des Ortsteils von Lima das Monument schließen lassen - man könne nicht zulassen, dass die Namen von Terroristen neben den Opfern erscheinen. Bis heute ist das Monument der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Der Streit um die Frage, wer nun Opfer ist und wer nicht, zeigt wie hochsensibel das ganze Thema ist. Noch heute ist der Einfluss des Militärs groß und viele möchten die Ereignisse lieber ganz vergessen machen.
Aber gerade auch ein abgesperrtes Labyrinth als Ort der Erinnerung ist ein starkes Zeichen für die Stadt und die Welt.

8.10.2008 (13) e


Gernot Candolini
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Mitte September wurde in Gerasdorf bei Wiener Neustadt, im einzigen Jugendgefängnis Österreichs, ein Labyrinthplatz eröffnet. Acht Jugendliche Straftäter hatten ein kretisches Labyrinth unter Anleitung des Gefängnisseelsorgers Bernhard Haschka gebaut. Die Wege wurden ausgestochen und der Rasen auf die Grenze gelegt. Die Wege wurden mit rot und gelb gefärbten Hackschnitzel aufgefüllt. Die 120 Jugendlichen in Gerasdorf sind zwischen 15 und 28 Jahre alt und allesamt „schwere Jungs“. Die Betreuer zeigten sich überrascht über die bislang bemerkte positive Wirkung. Eine der wichtigsten Dinge ist es für Bernhard Haschka, dass das Labyrinth den Menschen hier an diesem Ort, die sich im Umgang mit der Sprache und der Selbstreflexion oft schwer tun, ein Bild der Ermutigung zu geben, dass es einen Weg gibt und auch wenn er schwierig ist, man es immer wieder versuchen muss. Deshalb wurde beim Labyrinth auch eine Tafel aufgestellt, wo groß zu lesen ist: Jeder Schritt ist ein Sieg.
Das Labyrinth von Gerasdorf ist logischerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, ebenso wenig wie das Labyrinth von Lima, aber das ist eine andere Geschichte.

7.10.2008 (12) e


Renate Fuchs
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Ein wunderschöner, außergewöhnlicher Sonntagnachmittag wurde Vielen beschert, als am vergangenen Wochenende Familie Wendling zum Kennen-lernen ihres nahe am Kastellauner Friedhof gelegenen Lavendel-Labyrinths "und seiner Geheimnisse" eingeladen hatte.
Schon zum "Vor - Ort" - Termin am Labyrinth hatten sich viele Menschen eingefunden – etliche die schon etwas vertraut waren mit diesem Ort, aber die meisten doch auf Entdecker – Reise!
Nach einer Begrüßung und kleinen Einführung fädelten sich die ca. 70 (?) Menschen, einer ordentlich hinter dem anderen, in den immer länger werdenden Menschenzug ein, der, welch ein schöner Zufall! von einem just frisch vermählten jungen Ehepaar angeführt wurde. Schon während des Gehens wurde Gesang angestimmt – ein fröhlicher, singender Lindwurm aus bunt gemischten Gestalten, auch viele Kinder waren dabei, schlängelte sich durch die von unzähligen kleinen Lavendelbüschen begrenzten Windungen und Kehrtwendungen des Weges zum grünen Rasenstück in der Mitte, im Herzen des Labyrinths. Da wurde es dann vorübergehend eng für so Viele, aber berührend intim, als dem jungen Brautpaar zu Ehren die Worte des Hohen Liedes der Liebe verlesen und ein wohlwollendes Segenslied für sie von allen laut und freudig gesungen wurde.

6.9.2008 (6) e